Grenzgänger Wissenschaft: Die Zukunft der Grenzen

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Europa und seine Grenzen standen im Fokus des Wissenschaftstalks «Grenzgänger Wissenschaft» im Café|Bar SiX in Kreuzlingen. Prof. Dr. Thomas Hinz und Prof. Dr. Erdal Yalçin diskutierten über die Zukunft der Grenzen in einer von Freihandel und Fragmentierung geprägten Welt. Prof. Dr. Thomas Hinz, Universität Konstanz und Prof. Dr. Erdal Yalçin, Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, boten dem Publikum eine interessante und anregende Debatte. Sie stellten ökonomische und soziologische Aspekte und Evidenzen in den Kontext von Staatenmodellen und den Brexit. Thomas Radke, stellvertretender Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Konferenz, moderierte die Veranstaltung.

Gewinner und Verlierer

Die beiden Wissenschaftler befassten sich mit den Ursachen für Abschottungstendenzen innerhalb Europas. «Der Wohlstand in der EU, der Schweiz und in anderen Ländern basiert auf Freihandel», sagte Erdal Yalçin. Die Ungleichheit zwischen den Ländern werde durch die Liberalisierung geringer. Es gebe aber immer Gewinner und Verlierer. Die Konsumentinnen und Konsumenten gewinnen durch den Freihandel, aber es würden auch bestimmte Arbeitsmodelle verschwinden. Personenfreizügigkeit berge Konfliktpotenzial. «Nach der Osterweiterung der EU sank die Akzeptanz der Personenfreizügigkeit.» Thomas Hinz betonte, dass es sich hierbei um psychologische Prozesse handle. «Das Wohlstandsniveau ist gestiegen, aber das subjektive Empfinden sagt, dass es immer schlechter wird.» Diese psychologischen Prozesse zeigen sich auch darin, dass Fremdenfeindlichkeit in Ländern mit geringer Migration tendenziell höher sei als in Ländern mit hoher.

Schweiz als mögliches Modell für die EU?

«Das Modell Schweiz funktioniert, weil innerhalb einer kleinen Einheit die Solidarität gross ist. Diese Solidarität als Regularium geht in einer grossen Einheit wie der EU verloren», erklärte Erdal Yalçin. «Die Schweiz ist extrem offen und sichtbar flexibel in der Partizipation.» Das mache das Schweizermodell attraktiv. Dieses in einem anderen Land zu etablieren, sei aber nicht von heute auf morgen möglich. Thomas Hinz ergänzte: «Die Schweiz ist ein Beispiel dafür, dass, obwohl nicht zur EU gehörend, durch Freihandelsabkommen profitiert werden kann.»

Zukunftsfrage

Wie sieht die Zukunft der Grenzen aus? «Die Abgrenzung der EU nach aussen wird uns beschäftigen und Migrationsregularien werden auf unserer Agenda stehen», sagte Thomas Hinz. «Die Grenzen werden nicht so schnell verschwinden.»

Die Veranstaltung «Grenzgänger Wissenschaft»

«Grenzgänger Wissenschaft» greift aktuelle, gesellschaftsrelevante Themen und Debatten auf, mit besonderem Fokus auf die Städte Konstanz und Kreuzlingen sowie auf die Region. Die Hochschulen aus Konstanz und Kreuzlingen sowie die Stadt Konstanz bringen ihre Wissenschaftlerinnen undWissenschaftler zusammen, um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus wissenschaftlicher Perspektive mit einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren. Die Veranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit dem regionalen ThinkTank DenkRaumBodensee statt. Die Veranstaltungsreihe «Grenzgänger Wissenschaft» wird im Herbst 2019 in die 4. Runde gehen.

Quelle: Monique Stäger und Sarah Siegfried, PHTG